Lernreise nach Rehfelde: Bürgerenergie zum Anfassen und mit klaren Impulsen für die Lausitz

Wie kann Bürgerenergie echte Vorteile für eine Kommune bringen? Mit 28 Teilnehmenden besuchte die SPREEAKADEMIE die Rehfelde EigenEnergie eG und sammelte Praxisimpulse für Bürgerenergie in der Lausitz.

Der Einladung waren Vertreterinnen und Vertreter aus der AG Bürgerenergie Oberspreewald-Lausitz, Teilnehmende aus Doberlug-Kirchhain und weitere Engagierte aus der Region sowie das Lausitzer MachMaWatt-Team gefolgt.

Ankommen im alten Bahnhof: Bürgerenergie schafft Räume

Die Gruppe traf sich im Seminarraum im alten Bahnhofsgebäude in Rehfelde. Der Ort steht sinnbildlich für das Rehfelder Modell: Aus den Gewinnen der Genossenschaft wurde das Gebäude gekauft und saniert. Heute ist es Geschäftssitz, Begegnungsstätte und wird vielfältig genutzt: von Co-Working über Vereinssitzungen bis hin zu verschiedenen Kursangeboten in Rehfelde.

Technik sehen, Zusammenhänge verstehen: Windenergie aus nächster Nähe

Ein Programmpunkt führte an eine Windenergieanlage. Das Windrad erzählte mehr als ein langer Vortrag und half den Teilnehmenden, Technik und Dimensionen besser einzuordnen.

Drei Perspektiven, die zusammenpassen

Die Lernreise verband Praxisbeispiele aus Rehfelde mit einem Blick auf Brandenburg und mit konkreten Hinweisen aus der Verwaltung.

Rehfelde EigenEnergie: Genossenschaft mit klarer Struktur und breitem Portfolio

Holger Fleischmann, Vorstand der Rehfelde EigenEnergie eG zeigte in seinem Vortrag sehr konkret, was die Genossenschaft seit ihrer Gründung aufgebaut hat: PV-Anlagen (u. a. Turnhalle, Kindergarten) und seit 2017 zwei Windenergieanlagen (Nordex N117, je 2,4 MW).  Zentral ist dabei das Genossenschaftsprinzip: ein Mitglied – eine Stimme, unabhängig von der Einlage; der Geschäftsanteil liegt bei 250 € (ein Anteil ist Pflicht).

Zudem zeigte die Genossenschaft, wie sie lokale Infrastruktur mitträgt und dabei den „Versorger-Gedanken“ mitträgt: Rehfelde investiert in lokale Infrastruktur – etwa E-Ladeinfrastruktur – selbst dann, wenn es wirtschaftlich kein Selbstläufer ist.

Landesverband : Noch klein, aber mit viel Potenzial

Dr. Janina Messerschmidt vom Landesverband Bürgerenergie Brandenburg e.V. ordnete das Thema für Brandenburg ein. In ihrer Übersicht wird Bürgerenergie im Land als sehr klein dargestellt. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Deutschlandweit gibt es laut Übersicht 998 Energiegenossenschaften, in Brandenburg unter 10.

Ein Satz blieb vielen als Handlungsimpuls: „Nicht meckern, sondern machen.“ Die Karte des Landesverbands zeigt zudem, wo in Südbrandenburg noch weiße Flecken sind und neue Initiativen ansetzen können.

Amt Märkische Schweiz: Verwaltung einbinden, Verbündete finden, dranbleiben

Nicole Kukuk, Bauplanung im Amt Märkische Schweiz, machte deutlich, wie wichtig gute Ansprechpartner in Verwaltung und Politik sind. Sie empfahl, Verbündete in Führung, Kämmerei und Gebäudemanagement zu gewinnen, Wissen zu vermitteln, Netzwerke zu nutzen und Geduld mitzubringen. Denn: Bürgerenergie funktioniert besonders gut, wenn Verwaltung und Politik zusammenarbeiten.

Wichtig und für viele neu: Gemeinden können Mitglied in einer Bürgerenergiegenossenschaft werden.

Ein Praxisbeispiel, das Verwaltungen besonders interessiert: smartPacht

Für Kommunen (und gemeinwohlorientierte Träger) ist das smartPacht-Modell der Rehfelde-EigenEnergie eine gute Alternative zu hohen Investitionen. Die Idee: PV auf kommunalen bzw. gemeinwohlgenutzten Dächern ermöglichen, ohne dass die Kommune selbst investieren muss. Dieser Ansatz bringt Vorteile für knappe Kommunen: keine Investition, keine Ausschreibung der Dachfläche, Entlastung des Haushalts, plus CO₂-Einsparung.

Drei Ergebnisse für die Lausitz

Der Weg hat sich für die Exkursionsteilnehmer gelohnt. Rehfelde zeigte, wie eine Genossenschaft erneuerbare Projekte plant, finanziert, betreibt und zugleich lokale Strukturen stärkt, zum Beispiel durch Räume und Infrastruktur. Drei Thesen als Fazit der Lernreise:

  1. Bürgerenergie braucht Umsetzungskraft. Rehfelde zeigt, wie Genossenschaften Projekte realisieren, wenn sie Expertise bündeln und Entscheidungen tragen.
  2. Kommunen profitieren, wenn Genossenschaften übernehmen. Modelle wie smartPacht zeigen Wege, wie Projekte trotz knapper Budgets starten können.
  3. Netzwerke beschleunigen Lernen. Der Austausch mit Landesverband und Verwaltung hilft, Hürden früh zu erkennen und passende Wege zu wählen.

Ein zusätzlicher Bericht erschien bei MachMaWatt: „Bildungsreise zur Bürgerenergiegenossenschaft Rehfelde-EigenEnergie“

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