"Über berechtigte Einwände müssen wir sprechen"

Einen wichtigen Beitrag zur aktuellen Diskussion um die regionale Energiewende liefert Martin Heusler, CDU-Landratskandidat im Landkreis Spree-Neiße. Als Leiter Weiterbildung bei der LEAG und Mitinitiator des Qualifizierungsverbunds QLEE bringt er Perspektiven aus der Praxis der Energiewende in der Lausitz ein.

Wir haben mit ihm darüber gesprochen, welche Chancen Bürgerenergie für Beteiligung, Akzeptanz und regionale Entwicklung eröffnet und welche Rolle sie für den Strukturwandel in unserer Region spielen kann:

Welche Rolle könnte Bürgerenergie in fünf bis zehn Jahren in der Lausitz für Energieversorgung, Wertschöpfung und Akzeptanz der Energiewende spielen?

Wir sind eine Energieregion, die sich wandeln muss. Aber es wird eine Energieregion bleiben. Wir haben in der Lausitz die Flächen und die gut ausgebildeten Fachkräfte.

Aber die Menschen in der Lausitz wollen ihre Heimat selbst gestalten und sie wollen bestimmen können, wo das Windrad oder der Solarpark steht. Mir sagen die Menschen oft: „Ein Windrad ist halb so schlimm, wie das, was wir in den letzten Jahrzehnten erfahren haben.“ Der Widerstand hat mit dem Solar- und dem Windeuro und wenn Haushalte direkt beteiligt werden, abgenommen. Mit einer Bürgerenergiegenossenschaft ist das Ganze noch besser skalierbar.

Kann zuhören und erklären: Martin Heusler im Gespräch mit Laura Doyé von der Spreeakademie

Was wäre ein geeigneter Hebel, damit die Wertschöpfung in der Lausitz bleibt?

Wir wissen, dass ein Industriearbeitsplatz rund 2,5 weitere Arbeitsplätze sichert. Darum sollten wir versuchen, die gesamte Wertschöpfungskette in die Region zu bekommen. Das würde auch die Produktion von Anlagen zur Energiegewinnung bedeuten. Das könnte mit einem Resilienzbonus funktionieren, der regionale Firmen stärkt.

Welche typischen Einwände oder Konflikte begegnen Ihnen vor Ort?

Seitdem es die finanzielle Beteiligung gibt, sind die Einwände deutlich weniger. Es gibt viele sinnvolle Einwände. Manche sind absurd und von Falschinformationen gefüttert: Als Gemeindevertreter hatte ich zum Beispiel die Anfrage, wie es denn mit dem Schlagschatten bei einer Solaranlage aussieht.

Über berechtigte Einwände müssen wir sprechen und sie ernst nehmen. Wenn zum Beispiel die Reflexion von Solarpaneelen das Gebäude eines Nachbarn beeinträchtigt, muss der Projektentwickler reagieren und sich mit den Betroffenen im Detail einigen.

Welche Chancen sehen Sie für Bürgerenergie gegenüber Großprojekten?

Die Frage ist: „Brauchen wir diese großen Solarparks?“ Studien besagen, dass Dach- und Parkplatzflächen den Energiebedarf komplett decken können. Ein mit Solaranlagen überdachter Parkplatz, kann auch gleich die Energie für die darunter parkenden Autos erzeugen.

Wir gehen mit QLEE in die Kommunen, um das Wissen zur Energiewende praxisnah zu vermitteln und vor Ort umsetzbare Strategien zu entwickeln. Man muss den Menschen zuhören und sich ihren Problemen stellen. Es geht ihnen darum, dass Gehör zu finden und wir ihnen Lösungen anbietet. Es kann bei diesem Thema nicht darauf hinauslaufen, dass wir nur auf die Gesetze verweisen.

Wenn PV-Anlagen auf landwirtschaftlich genutzten Flächen entstehen, führ das oft zu Konflikten. Für die Gemeinde Kolkwitz haben wir aus diesem Grund einen Solaratlas veröffentlicht, der Flächen mit niedrigen Bodenwerten favorisiert.

Wissen trifft Engagement: MachMaWatt! macht’s möglich

All das passiert im Rahmen des Projekts MachMaWatt! Das Vorhaben wird von der SPREEAKADEMIE gemeinsam mit der BTU Cottbus-Senftenberg, der RWTH Aachen und dem Bündnis Bürgerenergie umgesetzt. Unsere Aufgabe: Menschen vor Ort zusammenbringen, Prozesse moderieren, Wissen bereitstellen und den Wandel aktiv gestalten. Denn in der Lausitz entsteht gerade etwas Neues. Eine regionale Energiezukunft, getragen von den Menschen selbst.

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Gemeinsam mit Energie Zukunft gestalten

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