Wir legen Geld zusammen und wissen am Ende, was damit passiert
Eine Schule, ein Dach, 300 Euro pro Person und plötzlich erzeugt das Dorf seinen eigenen Strom. Was wäre, wenn nicht Konzerne, sondern Bürgerinnen und Bürger die Energieversorgung gestalten würden? Dr. Janina Messerschmidt kennt diesen Wandel aus Theorie und Praxis. Im Interview spricht sie darüber, wie Vertrauen entsteht, welche Fehler vermeidbar sind und warum Solarstrom auf Schuldächern mehr ist als nur Technik.
Dr. Janina Messerschmidt war früher in der Klimaforschung zu Hause, heute engagiert sie sich in Energiegenossenschaften, Dorfbewegung und Kommunalpolitik. Sie ist überzeugt: Die Zukunft der Energiewende entscheidet sich nicht in Ministerien, sondern auf Schuldächern, Gemeindewiesen und in Bürgerköpfen.
Frau Dr. Messerschmidt, Sie arbeiten sowohl in der Forschung als auch in der Praxis. Was fasziniert Sie persönlich an der Idee der Bürgerenergie?
Bürgerenergie vereint zwei wichtige Themen unserer Zeit: Wir haben den Klimawandel und brauchen Lösungen dafür. Das ist auch mein Thema als Physikerin. Und wir haben die Frage nach dem Wirtschaftssystem: Wie kommen wir wieder zu einem Gemeinwohl-Denken? Bürgerenergie gibt im Energiebereich auf beide Fragen Antworten.
Dr. Janina Messerschmidt ist promovierte Klimaforscherin, Sozialpsychologin und Expertin für Bürgerenergie. Als Vorständin und Mitgründerin der Bürgerenergie Oder-Spree kennt sie die Herausforderungen und Chancen der Energiewende aus erster Hand.
Wie erklären Sie Bürgerinnen und Bürgern in einfachen Worten, was eine Energiegenossenschaft ist und welche Mitbestimmungsrechte sie haben?
Wir legen Geld zusammen und wissen am Ende, was damit passiert. Unser erstes Projekt, die Schule in Heinersdorf, ist ein anschauliches Beispiel: Hier haben Eltern und Großeltern gemeinsam in eine PV-Anlage auf dem Schuldach investiert. Sie wussten, dass es für ihre Kinder und Enkelkinder ist. Einmal im Jahr überlegen wir gemeinsam, was mit dem Gewinn passiert: ausschütten oder reinvestieren?
Bei 300 Euro Einlage ist die Gewinnausschüttung nicht das Hauptziel der Beteiligten. Die Motivation ist, gemeinsam etwas zu bewirken. Bei öffentlich genutzten Gebäuden, die tagsüber Strom verbrauchen, können wir 50 bis 70 Prozent des Eigenverbrauchs abdecken.
Welche typischen Stolpersteine sehen Sie bei neuen Energiegenossenschaften?
Misstrauen – bei den Verwaltungen sogar mehr als bei den Bürgerinnen und Bürgern. Wir rechnen mit etwa einem Jahr für die Umsetzung eines Projekts, und die wenigste Zeit beansprucht dabei die eigentliche Installation.
Wie kann man hier gegensteuern?
Viel erklären. Solaranlagen brennen nicht, sie sind weder giftig noch strahlen sie. Aus meiner Erfahrung gibt es in jeder Verwaltung mindestens eine Person, die sich für das Thema engagiert und es in der Kommune voranbringen will. Ich vermittle Kommunen auch gerne Kontakte zu anderen Verwaltungen zum Austausch auf Augenhöhe. Sie sprechen dieselbe Sprache.
Und ich würde sie zu erfolgreichen Projekten mitnehmen, um sie ihnen vor Ort zu zeigen – zum Beispiel nach Rehfelde. Dort arbeiten Bürger und Kommune eng zusammen.
Wo sehen Sie aktuell die größten Hebel in der Landes- und Bundespolitik, um Bürgerenergie in Regionen wie der Lausitz zu stärken?
In Brandenburg fehlt eine Institution, die Kommunen auf Landesebene berät, damit sie fundierte Entscheidungen treffen können. Viele Regelungen und Gesetze sind landesspezifisch. Eine solche Servicestelle müsste schnell auf Anfragen reagieren, aktuelle Informationen weitergeben und bei Fragen unkompliziert Auskunft geben. Thüringen hat so etwas.
Außerdem fehlt in Brandenburg ein gutes Gesetz zur Bürgerbeteiligung. Denn die Wertschöpfung im Energiebereich liegt im Betrieb. In Rehfelde zum Beispiel ist die Bürgerenergiegenossenschaft an der Fläche eines großen Solarparks beteiligt. Der Strom wird vom nahen Zementwerk genutzt, und die Bürger erhalten einen vergünstigten Stromtarif. Die Kommune ist Mitglied der Bürgerenergiegenossenschaft.
Funktioniert das auch bei den knappen Kassen vieler Brandenburger Kommunen?
Ja. Solche Einlagen in Genossenschaften sind ja keine Kosten, sondern Geldanlagen. Das Risiko ist gering – maximal die Einlage. Die Anlagen selbst sind versichert, und es gibt keine Nachschusspflicht.
Wissen trifft Engagement: MachMaWatt! macht’s möglich
All das passiert im Rahmen des Projekts MachMaWatt! Das Vorhaben wird von der SPREEAKADEMIE gemeinsam mit der BTU Cottbus-Senftenberg, der RWTH Aachen und dem Bündnis Bürgerenergie umgesetzt. Unsere Aufgabe: Menschen vor Ort zusammenbringen, Prozesse moderieren, Wissen bereitstellen und den Wandel aktiv gestalten. Denn in der Lausitz entsteht gerade etwas Neues. Eine regionale Energiezukunft, getragen von den Menschen selbst.
Jetzt mitgestalten
Sie interessieren sich für Bürgerenergie und möchten wissen, wie das geht? Oder haben Sie schon eine Idee für ein Solardach in Ihrer Nachbarschaft? Dann sind Sie bei uns genau richtig. Wer beim nächsten Treffen dabei sein möchte, kann sich gerne bei uns melden. Wir informieren rechtzeitig über neue Termine:
- Laura Doyé
- Telefon: +49 151 4333 5398
- E-Mail: doye@spreeakademie.de
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Gemeinsam mit Energie Zukunft gestalten
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