Artenvielfalt auf kleiner Fläche: Fünf Inseln der Vielfalt zum Nachmachen
Ob Garten oder Balkon, Schulhof oder öffentliche Grünanlage, mit dem passenden Aufbau schaffen Sie selbst auf wenigen Quadratmetern Nahrung, Schutz und Nistplätze für viele Tiere.
Zwei Quadratmeter können ökologisch mehr leisten als ein großer Rasen, den Sie jede Woche kurz halten. In unserer Kräuterspirale im Radduscher Lerngarten wachsen auf dieser Fläche 13 Pflanzenarten. Zwischen den Steinen entstehen warme Nischen für Insekten und Eidechsen, während die Kräuter auf dem Teller landen.
Warum kleine Vielfaltsinseln wirken
Pflanzen liefern Nahrung. Holz, Steine, Erde und stehen gelassene Stängel schaffen Schutz, Nistplätze und Kleinklima. Wenn viele solcher Flächen in Gärten, auf Balkonen, Schulhöfen und öffentlichen Grünanlagen entstehen, bilden sie ein Netz aus Trittsteinen. Tiere können dort rasten, fressen und sich von Fläche zu Fläche bewegen.
Hinweis zu den Artzahlen
All genannten Zahlen stammen aus den jeweils verlinkten NaturaDB-Listen. Sie beschreiben, wie viele Tierarten mit den ausgewählten Pflanzen in Verbindung stehen können. Sie bedeuten nicht, dass alle diese Tiere gleichzeitig auf der Fläche vorkommen. Und sind wir ehrlich: Zahlen sind nur so gut, wie sie erhoben werden können. Dennoch sind solche Listen ein guter Indikator!
Die Angaben dienen als leicht verständliche Orientierung. Sie fassen unterschiedliche Beziehungen zwischen Pflanzen und Tieren zusammen. Bei Wildbienen kann eine Pflanze beispielsweise Nektar, Pollen oder beides liefern. Für Schmetterlinge kann sie eine Nektarquelle für den Falter oder eine Futterpflanze für die Raupen sein. Die Zahlen zeigen mögliche Verbindungen. Sie bedeuten weder, dass alle genannten Arten vor Ort vorkommen, noch dass jede Pflanzenart für sie gleich wichtig ist.
Wählen Sie Ihre passende Insel der Vielfalt
Warum auf den perfekten Garten warten? Beginnen Sie dort, wo heute ein Kübel, eine kahle Ecke oder ein Stück Rasen Platz bietet. Sie wählen zwischen fünf Modellen für sehr unterschiedliche Flächen und setzen eines davon Schritt für Schritt um.
Bevor Sie starten, prüfen Sie vier Punkte:
- Licht: Beobachten Sie die Fläche an einem sonnigen Tag. Notieren Sie, wie viele Stunden direkte Sonne ankommen und ob Gebäude oder Gehölze Schatten werfen.
- Wasser: Prüfen Sie nach Regen, ob der Boden schnell trocknet oder lange feucht bleibt. Achten Sie bei Balkonen auf Wind und auf die Größe der Gefäße.
- Boden: Sandige, magere Böden eignen sich für trockenheitsverträgliche Wildstauden. Feuchtere und humosere Bereiche brauchen andere Arten.
- Nutzung: Entscheiden Sie, ob Sie vor allem Blüten, essbare Pflanzen, eine pflegearme Fläche oder einen attraktiven Treffpunkt schaffen möchten.
Minibiotop im Kübel: 10 Arten für Balkon und Terrasse
Geeignet für: Balkone, Terrassen, Hauseingänge und befestigte Innenhöfe mit mehreren Gefäßen.
Verteilen Sie die Arten auf mehrere Töpfe und Kübel. So trennen Sie trockenheitsliebende Kräuter von Beerensträuchern, die mehr Wurzelraum und Wasser brauchen.
Pflanzenauswahl
- Oregano (Origanum vulgare)
- Steppensalbei (Salvia nemorosa)
- Färberkamille (Anthemis tinctoria)
- Himbeere (Rubus idaeus)
- Schwarze Johannisbeere (Ribes nigrum)
- Sand-Thymian (Thymus serpyllum)
- Ysop (Hyssopus officinalis)
- Winter-Bohnenkraut (Satureja montana)
- Kleine Traubenhyazinthe (Muscari botryoides)
- Frühlings-Krokus (Crocus vernus)
So setzen Sie es um:
- Wählen Sie frostsichere Gefäße mit Abzugslöchern. Große Kübel trocknen langsamer aus als kleine Töpfe.
- Füllen Sie unten eine Drainageschicht ein. Nutzen Sie für Kräuter ein mineralisches, durchlässiges Substrat.
- Setzen Sie Himbeere und Johannisbeere jeweils in einen eigenen großen Kübel. Gruppieren Sie die trockenen Kräuter in sonnigen Gefäßen.
- Stecken Sie Krokus und Traubenhyazinthe im Herbst zwischen die Stauden. So beginnt die Blüte bereits im Frühjahr.Gießen Sie durchdringend, aber nicht täglich. Lassen Sie Samenstände und trockene Stängel möglichst bis zum späten Winter stehen
Warum es funktioniert: Frühblüher, Kräuter und Beerensträucher verteilen Blüten und Früchte über viele Monate und nutzen verschiedene Höhen im Kübelensemble.
Ihr Nutzen: Sie ernten Kräuter und Beeren, während Balkon oder Terrasse von März bis Oktober Nahrung und Deckung bieten.
Datenhinweis: Die NaturaDB-Auswertung ordnet dieser Auswahl 417 Tierarten zu, darunter 119 Wildbienen- und 193 Schmetterlingsarten.
Trockenes Trittsteinbeet: 9 Arten auf 15 Quadratmetern
Geeignet für: Sonnige Vorgärten, Dorfplätze, Schulhöfe und trockene Randflächen mit etwa 3 × 5 Metern.
Pflanze | Anzahl |
Wiesensalbei (Salvia pratensis) | 9 |
Oregano (Origanum vulgare) | 6 |
Steppensalbei (Salvia nemorosa) | 5 |
Färberkamille (Anthemis tinctoria) | 9 |
Wiesen-Witwenblume (Knautia arvensis) | 10 |
Knäuel-Glockenblume (Campanula glomerata) | 10 |
Kartäusernelke (Dianthus carthusianorum) | 13 |
Ähriger Ehrenpreis (Veronica spicata) | 9 |
Schwarze Apfelbeere (Aronia melanocarpa) | 1 |
So setzen Sie es um
- Entsiegeln Sie die Fläche oder tragen Sie die Grasnarbe ab. Lockern Sie den Boden, ohne nährstoffreichen Kompost einzuarbeiten.
- Legen Sie auf der Nordseite eine niedrige Totholzhecke an. Ergänzen Sie ein Rondell aus Feldsteinen und einige offene Bodenstellen.
- Stellen Sie die Apfelbeere an den Rand. Eine heimische Felsenbirne eignet sich als Alternative, braucht aber mehr Platz.
- Pflanzen Sie die Stauden in gut erkennbaren Gruppen. Halten Sie einen schmalen Pflegeweg frei.
- Wässern Sie im ersten Jahr bei Trockenheit. Schneiden Sie Salbei, Ehrenpreis und Wiesen-Witwenblume nach der ersten Blüte zurück, wenn Sie eine zweite Blüte fördern möchten.
Warum es funktioniert: Trockenheitsverträgliche Wildstauden kommen mit magerem Boden zurecht, und Totholz, Steine sowie offene Stellen schaffen zusätzliche Nischen.
Ihr Nutzen: Nach dem Anwachsen braucht die Fläche wenig Wasser und liefert über den Sommer ein dichtes Blütenangebot.
Artenreicher Vorgarten im Halbschatten
Geeignet für: Schmale Vorgärten, Gebäudeecken und Flächen unter lichten Gehölzen mit wechselnder Sonne.
Arbeiten Sie hier mit den Unterschieden innerhalb der Fläche. Unter Sträuchern bleibt der Boden oft kühler. An der Hauskante kann er trotz Schatten trocken sein.
Pflanzenauswahl
- Kornelkirsche und Gewöhnliche Felsenbirne als lockere Gehölzschicht
- Kriechender Günsel und Großes Windröschen für bodennahe Partien
- Heil-Ziest, Großblütige Braunelle und Berglauch für mittlere Höhen
- Echtes Herzgespann und Ysop als höhere Akzente
- Gewöhnliches Zittergras und Gewöhnliches Ruchgras für Bewegung und Struktur
Den vollständigen 18-Arten-Plan, die Pflanzmengen und weitere Hinweise zu Holz und Stein finden Sie in unserem Beitrag „Pflanzen im Halbschatten“.
So setzen Sie es um
- Markieren Sie sonnigere, trockenere und frischere Teilbereiche. Planen Sie nicht die gesamte Fläche mit einer einzigen Pflanzenmischung.
- Setzen Sie Gehölze nach hinten oder auf die Nordseite. Halten Sie Abstand zu Wegen und Fenstern.
- Pflanzen Sie je nach Endgröße etwa sieben bis höchstens zehn Stauden pro Quadratmeter. Wiederholen Sie Arten in Gruppen statt jede Pflanze einzeln zu verteilen.
- Platzieren Sie Günsel in frischeren Bereichen. Setzen Sie trockenheitsverträglichere Arten an die Kante und in lichte Zonen.
- Lassen Sie Laub unter den Gehölzen liegen, sofern es Wege und Abflüsse nicht blockiert. Entfernen Sie nur unerwünschten Aufwuchs.
Warum es funktioniert: Sträucher, bodennahe Arten und höhere Stauden nutzen Licht und Bodenfeuchte auf verschiedenen Ebenen.
Ihr Nutzen: Eine bislang schwierige Ecke blüht vom Frühjahr bis in den Herbst und bleibt mit standortgerechter Auswahl überschaubar in der Pflege.
Datenhinweis: Die vollständige NaturaDB-Liste ordnet der Auswahl 357 Tierarten zu, darunter 115 Wildbienen- und 151 Schmetterlingsarten.
Kräuterspirale: 13 Arten auf rund zwei Quadratmetern
Geeignet für: Sonnige Ecken in Gärten, Schulhöfen und Gemeinschaftsflächen, auf denen Menschen ernten dürfen.
Eine Spirale nutzt Höhe statt Grundfläche. Oben bleibt das Substrat trocken und mager. Unten darf es etwas frischer sein.
So setzen Sie es um
- Markieren Sie einen Kreis mit etwa 1,5 bis 1,8 Metern Durchmesser. Entfernen Sie die Grasnarbe und lockern Sie den Untergrund.
- Bauen Sie die Spirale mit regionalen, unvermörtelten Steinen auf. Füllen Sie den Kern mit grobem Material und decken Sie ihn mit Substrat ab.
- Mischen Sie oben mehr Sand und Splitt ein. Verwenden Sie unten einen humoseren, feuchteren Boden.
- Setzen Sie trockenheitsliebende Kräuter wie Thymian, Oregano, Salbei, Ysop und Winter-Bohnenkraut nach oben. Pflanzen Sie Schnittlauch, Petersilie, Schnittknoblauch oder Zitronenmelisse weiter unten.
- Lassen Sie einzelne Fugen und kleine Bodenstellen offen. Vermeiden Sie aggressive Arten oder setzen Sie Minze nur mit Wurzelsperre.
Warum es funktioniert: Die Spirale schafft auf kleinem Raum trockene, warme und feuchtere Zonen, während die Steine Wärme speichern und Hohlräume bilden. Ihr Nutzen: Sie ernten Küchenkräuter und gewinnen zugleich Blüten, Verstecke und offene Bodenbereiche für Tiere.
Datenhinweis: Die NaturaDB-Auswertung zur Spirale ordnet der Auswahl 158 Tierarten zu, darunter 44 Wildbienen- und 98 Schmetterlingsarten.
Aus Rasen wird Wiese: Vielfalt durch andere Pflege
Geeignet für: Rasenstücke in Gärten, Wohnanlagen, auf Dorfplätzen und an wenig genutzten Wegrändern.
Schauen Sie zuerst, was bereits wächst. Selbst gewöhnliche Rasenflächen können überraschend viele Blühpflanzen enthalten. Auf zwei untersuchten Flächen wurden 29 beziehungsweise 21 Pflanzenarten gefunden.
So setzen Sie es um
- Legen Sie bis Ende Mai eine Mähpause ein. Bestimmen oder fotografieren Sie die Pflanzen, sobald sie blühen.
- Mähen Sie höchstens dreimal, besser nur zweimal im Jahr. Passen Sie die Termine an Standort, Wuchs und Artvorkommen an.
- Schneiden Sie nicht tiefer als fünf Zentimeter; sieben Zentimeter schonen bodennahe Rosetten und Tiere besser.
- Räumen Sie das Mähgut ab. So vermeiden Sie eine dichte Mulchschicht und magern den Boden langsam ab.
- Nutzen Sie möglichst eine Handsense oder einen Balkenmäher mit Doppelmessermähwerk. Mähen Sie Teilflächen zeitversetzt, damit Rückzugsräume bleiben.
- Pflanzen Sie fehlende, standortgerechte Wildpflanzen in vorhandene Lücken. Saatgut braucht offenen Boden und direkten Bodenkontakt.
- Halten Sie auf öffentlichen Flächen einen schmalen Rand regelmäßig kurz. Dieser Akzeptanzstreifen zeigt, dass die Pflege geplant ist.
Beginnen Sie mit der kleinsten möglichen Fläche
Sie brauchen keinen großen Garten und keinen perfekten Boden. Ein Kübelensemble, ein 15-Quadratmeter-Beet, eine Kräuterspirale oder ein anders gemähter Rasen kann bereits Nahrung und Schutz schaffen. Wählen Sie das Modell, das zu Ihrem Standort und Ihrem Alltag passt. Dann starten Sie mit einem Quadratmeter und erweitern die Fläche, sobald die ersten Pflanzen eingewachsen sind.
PartizipNatur – Gemeinsam Zukunft gestalten. Naturnah!
Mit unserem Projekt PartizipNatur wollen wir zeigen, wie Gemeinden und ihre Bürger*innen aktiv Verantwortung für ihre Umwelt übernehmen können.
Gemeinsam mit der Stadt Vetschau und den 10 Ortsteilen entwickeln wir lokale Lösungen für öffentliche Grünflächen, um die ökologische Nachhaltigkeit zu fördern. Durch die aktive Einbindung der Menschen vor Ort stärken wir nicht nur den Zusammenhalt in der Gemeinde, sondern schaffen auch konkrete Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität – zum Beispiel mit bienenfreundlichen Staudenbeeten auf Dorfplätzen oder naturnah gestalteten Spielplätze mit Naschecken.
Fragen und Antworten
Schon ein großer Kübel kann Nahrung und Struktur bieten. Mehrere kleine Gefäße wirken besser, wenn Sie Blütezeiten, Wuchshöhen und Wasserbedarf aufeinander abstimmen.
Heimische Wildpflanzen bilden für viele spezialisierte Tiere die wichtigste Grundlage. Einzelne robuste Küchen- oder Obstpflanzen können die Fläche ergänzen, sollten heimische Arten aber nicht vollständig ersetzen.
Nutzen Sie Arten wie Oregano, Sand-Thymian, Kartäusernelke, Färberkamille, Salbei und Ährigen Ehrenpreis. Verbessern Sie den Boden nicht mit Kompost, sondern halten Sie ihn durchlässig und eher mager.
Bei trockenheitsliebenden Wildstauden lautet die Antwort meist nein. Dünger fördert häufig kräftige Konkurrenzpflanzen, die schwächere Arten verdrängen.
Für viele Standorte reichen zwei Schnitte im Jahr. Beobachten Sie die Blüte, mähen Sie abschnittsweise und räumen Sie das Schnittgut ab.
Geben Sie der Fläche einen klaren Rahmen. Eine saubere Beetkante, ein gemähter Randstreifen, ein Schild oder wiederkehrende Pflanzengruppen machen die Absicht sichtbar.
Beginnen Sie auf Ihrem Balkon mit mehreren transportablen Kübeln und achten Sie auf zulässige Lasten, sichere Befestigung und Wasserablauf. So bleibt die Gestaltung flexibel und lässt sich bei einem Umzug mitnehmen.