Naturnaher Schulhof: Kleine Flächen, große Vielfalt

Ein naturnaher Schulhof klingt erst einmal nach einem großen Vorhaben: Asphalt aufbrechen, Flächen entsiegeln, neue Beete anlegen, Bäume pflanzen, Sitzgelegenheiten bauen und am besten gleich noch ein grünes Klassenzimmer dazu. Das kann sinnvoll sein, aber es ist nicht der einzige Weg.

Foto: Cottonpro Studios
  • Fokus: Das Projekt zeigt, wie kleinteilige Naturräume selbst auf stark begrenzten und versiegelten Schulhöfen entstehen können.
  • Kernkonzept: Es setzt auf das Prinzip der „Inseln der Vielfalt“ (z. B. 2×2 Meter große Beete) statt kostspieliger Großprojekte.
  • Elemente: Integration von heimischen Wildpflanzen, Totholz-Strukturen, Trockenmauern und Naschecken mit Beerensträuchern.
  • Mehrwert: Die geschaffenen Zonen dienen als lebendige Open-Air-Klassenzimmer für den Biologie- und Sachunterricht.
  • Vorteile: Neben aktivem Artenschutz (Nahrungsquellen für Insekten und Vögel) sorgt das Grün für eine natürliche Hitzeminderung auf dem Schulhof.
  • Umsetzung: Durch die aktive Einbeziehung von Schülern und Lehrkräften wird ökologisches Bewusstsein praxisnah vermittelt.

Denn wenn Lehrkräfte etwas auf ihrem Schulhof verändern möchten, stehen vermutlich nicht unbegrenzt Geld, Zeit und Personal zur Verfügung. Vielleicht gibt es schon seit Jahren Ideen für eine umfassende Neugestaltung, aber es fehlt das Budget. Und wer kann ein großes Bauprojekt neben dem Schulalltag koordinieren?

Unsere Empfehlung: Mit kleinen Projekten anfangen

Bereits paar Quadratmeter reichen, um den ersten Schritt zu machen. Eine anders gepflegte Rasenfläche, ein kleines Beet mit heimischen Wildstauden oder eine Kräuterspirale können bereits neue Strukturen schaffen. Viele solcher kleinen Flächen können wiederum zu einem Netz aus „Inseln der Vielfalt“ werden. Genau dieses Prinzip haben wir bereits in unserem Beitrag „Fünf Inseln der Vielfalt zum Nachmachen“ vorgestellt. Die Leitidee dahinter ist einfach. Auch auf kleinen und sogar sehr kleinen Flächen ist biologische Vielfalt möglich.

Inhaltsverzeichnis

Warum nicht gleich den ganzen Schulhof neu gestalten?

Eine komplette Umgestaltung ist häufig teuer und aufwendig. Sie muss geplant, abgestimmt und finanziert werden. Oft sind der Schulträger, externe Planungsbüros und weitere Beteiligte einzubeziehen. Hinzu kommt die Frage, wer die neu geschaffenen Flächen anschließend dauerhaft pflegt. Genau diese Hürden greift unser Vorschlag für eine pragmatische Schulhofgestaltung auf: Mit einer überschaubaren Fläche beginnen, Erfahrungen sammeln und später weiterbauen.

Ein kleines Projekt lässt sich leichter abstimmen, der Pflegeaufwand kann besser eingeschätzt und Schülerinnen und Schüler können unmittelbar an der Umsetzung beteiligt werden. Ein erster Erfolg wird sichtbar und motivieren zum Weitermachen. Kleine Erfolge sind besser als große Vorhaben, die nie über die Planungsphase hinauskommen.

Raus aus der Planungsfalle: Machbare Flächen auswählen

Wenn wir über Artenvielfalt sprechen, denken wir schnell an große Wiesen, Hecken oder weitläufige Naturflächen. Dabei kann auch eine kleine, strukturreiche Fläche wertvoll sein und mehrere solcher Flächen können zusammen als Trittsteine wirken. Das heißt, sie verbinden größere Naturflächen miteinander und schaffen einen Übergang, wie Steine in einem Bach.

Auf Schulhöfen eignen sich zum Beispiel:

  • wenig genutzte Rasenstücke
  • sonnige Randflächen
  • unbeachtete Gebäudeecken
  • vorhandene Beete
  • befestigte Bereiche mit Platz für große Pflanzkübel

Der erste Schritt darf klein bleiben.

Drei einfache Wege zur ersten Vielfaltsinsel auf dem Schulhof

1. Weniger mähen: Aus Rasen kann mehr werden

Der einfachste Einstieg braucht manchmal keine neue Fläche. Auf vielen Schulgeländen liegen Rasenstücke, die niemand zum Spielen oder Sitzen nutzt. Dort kann die Schule gemeinsam mit dem Schulträger prüfen, ob ein Teil seltener gemäht werden kann. Wir empfehlen nur zwei- bis dreimal pro Jahr zu mähen und das Mähgut abzuräumen. Dafür sollten aber Teilflächen möglichst zu unterschiedlichen Zeiten und nicht tiefer als 5 cm geschnitten werden. So können vorhandene Blühpflanzen wachsen, blühen und Samen bilden. Und die Tiere in der Wiese können in den ungemähten Teil wechseln. Zusätzlich können in die Wiese bienenfreundliche heimische Wildpflanzen eingebracht werden.

Für Schulen hat dieser Ansatz einen großen Vorteil: Es entsteht keine zusätzliche Pflegefläche. Stattdessen ändert sich nur der Pflegerhythmus.

Ein Tipp, damit es weniger Beschwerden gibt: Ein regelmäßig gemähter Rand zeigt, dass die Fläche bewusst so gestaltet ist. Die höher wachsende Mitte wirkt dadurch nicht ungepflegt, sondern geplant. Zusammen mit Schülerinnen und Schülern kann dafür natürlich auch ein Schild gestaltet werden.

Geeignet für: wenig genutzte Rasenstücke und Randflächen
Aufwand: gering
Kosten: sehr gering
Wichtig: Pflegeänderungen vorher mit Schulträger und zuständigen Personen abstimmen

In unserem Lerngarten zeigen wir gern, wie eine Artenreiche Bühwiese angelegt und gepflegt wird.

2. Ein kleines Trittsteinbeet anlegen

Ein trockenes Trittsteinbeet eignet sich für Schulen, die etwas mehr Platz haben. Dafür muss niemand den halben Schulhof entsiegeln. Schon eine kleine Fläche kann mit standortgerechten Wildstauden, Steinen, Holz und offenen Bodenstellen wertvolle Strukturen schaffen. Diese Fläche kann sogar mitten auf einer Rasenfläche liegen.

Das Grundprinzip:

  • Grasnarbe entfernen oder eine kleine Fläche entsiegeln
  • Boden lockern und bei Bedarf aufschütten
  • auf nährstoffreichen Kompost und Dünger verzichten
  • standortgerechte Pflanzen setzen
  • Steine als Rondell, Totholz auf der Nordseite und einen Hartholzpfahl als Nisthilfe für Bienen ergänzen
  • einzelne offene Bodenstellen erhalten
  • einen Weg für die Pflege einplanen

Hier werden Pflanzen mit Feldsteinen, Totholz, offenen Bodenstellen und einfachen Nisthilfen kombiniert. Die Pflanzen bieten Nahrung. Holz, Steine, offene Bodenstellen und stehen gelassene Pflanzenstängel dienen Tieren als Schutz-, Nist- und Rückzugsmöglichkeiten. Für sonnige und trockene Flächen eignen sich je nach Standort zum Beispiel Wiesensalbei, Oregano, Färberkamille, Wiesen-Witwenblume, Kartäusernelke oder Ähriger Ehrenpreis.

Beispiele mit Pflanzplänen für kleine Flächen stellen wir in unserem Beitrag „Fünf Inseln der Vielfalt zum Nachmachen“ vor

Geeignet für: sonnige Randbereiche oder wenig genutzte Flächen

Aufwand: vor allem bei der Anlage

Pflege: nach dem Anwachsen vergleichsweise gering

3. Schwierige Ecken nutzen

Nicht jeder Schulhof bietet eine sonnige freie Fläche. Oft bleiben Gebäudeecken oder Bereiche unter lichten Gehölzen ungenutzt. Auch dort können Vielfaltsinseln entstehen. Halbschattige Standorte trocknen langsamer aus als vollsonnige Flächen. Mit passenden Pflanzen, Holz und Steinen lassen sich auch solche Bereiche strukturreich gestalten.

Eine schwierige Fläche ist nicht automatisch eine ungeeignete Fläche.

Geeignet für: halbschattige Gebäudeecken, Randbereiche unter Gehölzen, wenig genutzte Nischen

Aufwand: gering bis mittel, vor allem bei der Erstgestaltung

Pflege: moderat; gelegentliches Zurückschneiden und Kontrolle der Entwicklung ausreichend

Sind Kräuterspiralen und Pflanzkübeln gute Einstiegsprojekte?

Ja, Kräuterspiralen und große Pflanzgefäße eignen sich grundsätzlich für kleine Schulprojekte:

  • Eine Kräuterspirale schafft auf wenig Fläche verschiedene Standortbedingungen. Oben wachsen Kräuter, die auch mit Trockenheit gut klarkommen. Weiter unten finden Pflanzen Platz, die mehr Feuchtigkeit brauchen. Die Steine speichern Wärme und schaffen zusätzliche Strukturen.

    Für Schulen bietet die Kräuterspirale noch einen weiteren Vorteil: Schülerinnen und Schüler können Pflanzen sehen, riechen, fühlen und teilweise ernten.

  • Wenn keine Fläche im Boden verändert werden darf, können große Pflanzkübel helfen. Sie eignen sich auch für befestigte Bereiche. Dabei braucht es eine verlässliche Wasserversorgung. Denn Kübel trocknen schneller aus als Beete im Boden. Dabei sollten die Kübel nicht zu klein sein. Große Gefäße speichern Wasser länger als viele kleine Töpfe und eignen sich deshalb besser für längere Ferienzeiten.

Unsere Kräuterspirale im Lerngarten: Auf nur rund zwei Quadratmetern wachsen 13 Pflanzenarten von denen 158 Tierarten profitieren.

Wer soll das in den Sommerferien gießen?

Diese Frage gehört unbedingt an den Anfang der Planung. Auch trockenheitsverträgliche Stauden brauchen während der Anwachsphase Wasser. Nach dem ersten Jahr sinkt der Aufwand deutlich, wenn Pflanzen und Standort zusammenpassen.

Darauf kommt es an:

  • trockenheitsverträgliche Pflanzen auf heiße, sonnige Flächen setzen
  • Halbschatten gezielt nutzen
  • möglichst in den Boden statt in kleine Gefäße pflanzen
  • die Bewässerung für die Anwachsphase klären
  • Pflegeaufgaben vor der Pflanzaktion verteilen
  • Lieber im Herbst pflanzen, dann liegt die Anwachsphase in den regenreicheren Monaten

Das Ziel lautet nicht „pflegefrei“, aber die Pflege muss überschaubar bleiben und langfristig zum Schulalltag passen.

Das wird doch sowieso wieder kaputt gemacht!

Diese Sorge begleitet viele Schulhofprojekte. Vandalismus lässt sich nie vollständig verhindern. Beteiligung kann aber dazu beitragen, dass Schülerinnen und Schüler eine stärkere Bindung zur Fläche entwickeln. Wer Ideen einbringt, Pflanzen auswählt, mitbaut und mitpflanzt, erlebt die Fläche anders. Aus „dem Beet dort hinten“ kann „unser Beet“ werden.

Wichtig ist Beteiligung von Anfang an. Menschen wollen nicht „mitgenommen werden“ und erst mitmachen, wenn alle Entscheidungen bereits gefallen sind. Sie wollen Ideen entwickeln, mitplanen und bei der Umsetzung helfen.

Für Schulen kann das so aussehen:

  1. Schülerinnen und Schüler suchen geeignete Flächen.

  2. Die Klasse sammelt Gestaltungsideen.

  3. Schulleitung und Schulträger prüfen die Vorschläge.

  4. Schülerinnen und Schüler übernehmen Aufgaben bei der Umsetzung.

  5. Die Klasse beobachtet und dokumentiert die Entwicklung.

Bis auf Punkt 3 lässt sich das gut in verschiedene Unterrichtsfächer einbinden und So verbindet die Schule Naturschutz mit praktischem Lernen.

Mitentscheiden und mitmachen: Wenn Kinder in ein Projekt eingebunden werden, schätzen sie das Ergebnis deutlich höher.

Das kostet aber trotzdem viel Geld!

Pflanzen, Substrat, Werkzeug und Baumaterial kosten Geld. Kleine Projekte bleiben jedoch leichter finanzierbar als ein kompletter Umbau. Oft liegt bereits Material vor. Zusätzlich können Fördervereine, lokale Unternehmen oder andere Unterstützer helfen. Auch Kommunen, Stiftungen und Förderprogramme kommen als Partner infrage.

Mögliche Anlaufstellen:

  • Schulförderverein: kann kleinere Sachkosten übernehmen
  • Schulträger oder Kommune: kann bestehende Budgets und Programme prüfen
  • Lokale Unternehmen: können Material oder praktische Hilfe beisteuern
  • Eltern: wie wäre es mit einem gemeinsamen Baunachmittag, bei dem Eltern die Schüler bei der Umsetzung unterstützen?
  • Stiftungen und Förderprogramme: können Natur-, Bildungs- oder Beteiligungsprojekte fördern

1. Landesverband der Kita- und Schulfördervereine Berlin-Brandenburg e.V. (lsfb)

Im Rahmen der sog. Chancenpatenschaften unterstützt der lsfb äußerst unkompliziert in Beantragung und Abrechnung – möglich wären hier zum Beispiel Materialkosten für eine Garten-AG oder auch ein Honorar für einen Workshop. Darüber hinaus gibt es beim lsfb Beratung und eine kleine Förderdatenbank. Antragsberechtigt sind Fördervereine. 

2. Stiftung Bildung

Projektförderung in unterschiedlichen thematischen Förderfonds. Aktuell befinden sich Förderfonds für „Ernährung“ und „Handwerk“ im Aufbau. Gefördert werden Ideen, die die Schule zu lebendigen,
vielfältigen, fairen und nachhaltigen Orten machen. Gemeinschaftliches Engagement sind Voraussetzung.

3. Aktion Brandenburg: Lokale Agenda 21 und Gesunde Umwelt

Das Förderprogramm „Gesunde Umwelt“ bietet sich für Projekte im Bereich Nachhaltigkeit an, die von ehrenamtlichen initiiert werden – eine Antragstellung kann über den Schul-Förderverein erfolgen. Eine Zusammenarbeit mit weiteren lokalen Akteur:innen wird gerne gesehen, möglich wäre etwa das Anlegen einer Kräuterspirale oder Material für die Garten-AG.

Hilfreich ist eine konkrete Projektidee. Ein kleines Beet mit klarer Größe, Materialliste und Pflegeplan lässt sich leichter kalkulieren und vermitteln als der Wunsch nach einem komplett neuen Schulhof.

In sieben Schritten zur ersten Vielfaltsinsel

Für den Einstieg braucht eine Schule keinen Masterplan, der das gesamte Schulgelände umfasst. Ein einfacher Ablauf reicht:

  1. Fläche finden: Ein kleiner, wenig genutzter Bereich reicht für den Anfang.
  2. Standort prüfen: Sonne, Boden, Trockenheit und bisherige Nutzung bestimmen die Auswahl der Pflanzen.
  3. Verbündete suchen: Schulleitung, Hausmeisterei, Kollegium, Eltern und Schulträger sollten früh eingebunden sein.
  4. Schülerinnen und Schüler beteiligen: Sie können Ideen entwickeln, Flächen auswählen und bei der Umsetzung helfen.
  5. Kleine Maßnahme auswählen: Eine Wiese, ein Trittsteinbeet, eine Kräuterspirale oder ein Pflanzkübel kann den Anfang machen.
  6. Pflege klären: Die Schule legt fest, wer gießt, kontrolliert und kleinere Arbeiten übernimmt.
  7. Umsetzen und beobachten: Die Beteiligten dokumentieren, was wächst, welche Tiere auftauchen und was angepasst werden muss.

Danach kann die nächste Insel folgen.

Kleine Erfolge können den Schulhof langfristig verändern

Vielleicht beginnt ein naturnaher Schulhof mit gerade einmal fünf Quadratmetern. Das klingt zunächst nicht spektakulär. Doch genau darin liegt die Stärke des Ansatzes: Die Veränderung ist überschaubar, machbar und sichtbar.

Wenn die erste Fläche funktioniert, wenn dort Pflanzen blühen, Insekten auftauchen und Schülerinnen und Schüler stolz auf das gemeinsam Geschaffene sind, ist bereits etwas Wichtiges erreicht: Es ist nicht nur ein kleines Biotop entstanden. Es wurde gleichzeitig gezeigt, dass Veränderung möglich ist. Und vielleicht entsteht aus mehreren kleinen Inseln irgendwann tatsächlich ein ganz anderer Schulhof.

PartizipNatur – Gemeinsam Zukunft gestalten. Naturnah!

Mit unserem Projekt PartizipNatur wollen wir zeigen, wie Gemeinden und ihre Bürger*innen aktiv Verantwortung für ihre Umwelt übernehmen können.

Gemeinsam mit der Stadt Vetschau und den 10 Ortsteilen entwickeln wir lokale Lösungen für öffentliche Grünflächen, um die ökologische Nachhaltigkeit zu fördern. Durch die aktive Einbindung der Menschen vor Ort stärken wir nicht nur den Zusammenhalt in der Gemeinde, sondern schaffen auch konkrete Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität – zum Beispiel mit bienenfreundlichen Staudenbeeten auf Dorfplätzen oder naturnah gestalteten Spielplätze mit Naschecken.