Pappe im Garten: Schadstoffe, Risiken & Alternativen

Pappe im Gemüsegarten: Welche Risiken birgt Kartonmulch?

Pappe auf den Gartenboden legen, Kompost darüber verteilen und fertig ist das neue Gemüsebeet – ganz ohne Umgraben. In sozialen Netzwerken zeigen zahlreiche Videos diese Methode. Besonders in der Permakultur gilt das sogenannte „Sheet Mulching“ als einfache Möglichkeit, Beete anzulegen.

Die Idee klingt überzeugend: Kartons bekommen eine zweite Verwendung, Gräser verschwinden unter der Abdeckung und das Bodenleben bleibt weitgehend ungestört. Doch Pappe besteht nicht nur aus Pflanzenfasern. Sie kann auch unerwünschte Stoffe aus der Produktion und früheren Recyclingzyklen enthalten, selbst wenn der Karton braun und unbedruckt ist.

Gartenvideos in sozialen Netzwerken verbreiten das Mulchen mit Pappe. Die Forschung muss noch klären, welche Rückstände beim Verrotten in den Boden gelangen und welche Folgen das hat. Recyclingkarton kann unerwünschte Stoffe wie Mineralölbestandteile und PFAS enthalten. Ob und in welchem Umfang Pappmulch den Gartenboden langfristig belastet, ist noch nicht ausreichend erforscht.

Wichtigste Fakten & Erkenntnisse

  • Pappe unterdrückt Pflanzenwuchs, indem sie das Licht abschirmt.
  • Auch unbedruckte Kartons können Rückstände aus früheren Recyclingzyklen enthalten.
  • Eine Untersuchung fand bei bestimmten Metallen nur ein geringes Belastungsrisiko. Langzeitfolgen und PFAS blieben weitgehend ungeklärt.
  • Laub, Grasschnitt und flache Bodenbearbeitung bieten Alternativen zum Kartonmulch.
  • Gebrauchsfähige Kartons lassen sich erneut verwenden, andere können ins Altpapier.

Wir haben geprüft, was Fachstellen und Studien dazu sagen. Welche Schadstoffe können in Kartons stecken? Was bedeutet das für den Gartenboden? Und welche Alternativen gibt es?

Warum landet Pappe im Gemüsegarten?

Beim Sheet Mulching bedecken Gärtner eine bewachsene Fläche mit Kartons. Darüber verteilen sie Kompost, Erde oder andere Mulchmaterialien. Die Pappe hält das Licht zurück und schwächt so Gräser und andere Pflanzen. Mit der Zeit bauen Bodenorganismen die Kartonfasern ab. Die Methode kann Arbeit sparen und vorhandenen Bewuchs unterdrücken.

Doch nicht nur die Wirkung zählt. Auch die Inhaltsstoffe der Pappe verdienen Aufmerksamkeit.

In diesem Beitrag

Was steckt in einem Pappkarton?

Karton besteht überwiegend aus Zellulosefasern, die aus Holz oder Altpapier stammen. Hersteller setzen je nach Produkt Klebstoffe, Farbstoffe, Beschichtungen und weitere Hilfsstoffe ein. Der NABU erklärt, welche Chemikalien bei der Papierherstellung zum Einsatz kommen. Bei Recyclingkarton kommt ein weiteres Problem hinzu: Die Fasern stammen aus verschiedenen Papierprodukten. So können Stoffe aus früheren Nutzungs- und Recyclingzyklen in neue Kartons gelangen. Das Umweltbundesamt nennt unter anderem Mineralölbestandteile, Bisphenole, Phthalate und PFAS als mögliche Verunreinigungen des Altpapierkreislaufs. Auch braune, unbedruckte Kartons sind deshalb nicht automatisch frei von unerwünschten Stoffen.

Mineralölrückstände aus Druckfarben

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bestätigt, dass Mineralölbestandteile aus Druckfarben über das Altpapier in Recyclingkartons gelangen können. Besonders kritisch sind bestimmte aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH). Einige dieser Verbindungen können das Erbgut schädigen und Krebs auslösen. Das BfR hat untersucht, wie Mineralölbestandteile aus Kartonverpackungen auf Lebensmittel übergehen. Wie viele dieser Stoffe beim Verrotten der Pappe in den Gartenboden gelangen, lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.

PFAS: Langlebige Chemikalien im Recyclingkarton

Auch PFAS können im Recyclingkarton stecken. Ein Forschungsteam um Håkon Austad Langberg wies diese Chemikalien in untersuchten Recyclingpapieren und Kartons nach. Einige PFAS bleiben über lange Zeit in der Umwelt. Aus belasteten Böden können bestimmte PFAS auch in Pflanzen gelangen. Darauf weist das Umweltbundesamt hin. Das bedeutet nicht, dass jeder Karton PFAS enthält. Die Untersuchung zeigt jedoch, dass solche Rückstände über den Recyclingkreislauf in Verpackungen gelangen können.

Wie groß ist das Risiko für den Gartenboden?

Dass Recyclingkarton unerwünschte Stoffe enthalten kann, ist belegt. Wie viel davon beim Verrotten in den Boden gelangt und welche Folgen das langfristig hat, wissen wir noch nicht ausreichend. Forschende der University of Minnesota untersuchten geschredderte Pappe als Mulch. Bei den untersuchten Metallen fanden sie unter den Testbedingungen nur ein sehr geringes Risiko für zusätzliche Bodenbelastungen. PFAS und mögliche Langzeitfolgen prüften sie nicht umfassend.

Unsere Empfehlung: Wenn sich ein Gemüsebeet mit Materialien aus dem eigenen Garten vorbereiten lässt, spricht wenig dafür, zusätzlich Verpackungspappe unbekannter Herkunft in den Boden einzubringen.

Pappkartons wiederverwenden statt verbrauchen

Pappkartons lassen sich häufig mehrfach nutzen – etwa für den Versand oder zur Aufbewahrung. Danach gehört saubere, recyclingfähige Pappe ins Altpapier. Noch besser ist es, unnötige Verpackungen zu vermeiden. Beim Online-Einkauf können gebündelte Lieferungen oder wiederverwendbare Versandboxen helfen, Kartonabfälle zu reduzieren. Einige Händler bieten solche Optionen bereits an.

Gemüsebeete ohne Pappe vorbereiten

Für die Anlage eines Gemüsebeets braucht es keine Kartonagen. Auch das vollständige Umgraben lässt sich häufig vermeiden. Unser Gartenexperte Gerd Carlsson setzt nach zwanzig Jahren kommerziellem Biogemüseanbau vor allem auf zwei Methoden.

Mulchen mit Gras, Laub und Pflanzenresten

Laub, angewelkter Grasschnitt und andere Pflanzenreste bilden eine Mulchdecke. Sie hält Licht vom Boden fern, bremst unerwünschte Pflanzen und schützt die Erde vor dem Austrocknen. Gleichzeitig zersetzen Regenwürmer, Pilze und andere Bodenorganismen das Material. So gelangen Nährstoffe zurück in den Boden.

Für stark bewachsene Flächen kann eine dickere Mulchschicht sinnvoll sein. Frischer Rasenschnitt sollte dagegen nur in dünnen, lockeren Lagen auf den Boden gelangen. Sonst kann er verkleben und faulen. Hartnäckige Gräser und Wurzelunkräuter erfordern oft weitere Pflege.

Den Boden flach bearbeiten

Bei starkem Grasbewuchs löst Gerd zunächst die Grasnarbe mit einer Herzhacke. Nach etwa 10 bis 14 Tagen bearbeitet er die oberste Bodenschicht mit dem Krail, einer mehrzinkigen Grabgabel. Mehrere flache Arbeitsgänge schwächen nachwachsende Gräser. Hartnäckige Wurzelunkräuter wie Quecke erfordern besondere Aufmerksamkeit. Ihre unterirdischen Ausläufer entfernt Gerd möglichst vollständig. Meist reichen wenige Zentimeter Bearbeitungstiefe aus. Die tieferen Bodenschichten bleiben weitgehend ungestört.

Der eigene Garten als Ressource

Für Gerd Carlsson bildet ein möglichst geschlossener Stoffkreislauf die Grundlage seines ökologischen Gemüseanbaus.

„Das Einzige, was ich in zwanzig Jahren kommerziellem Biogemüseanbau in meinen Betrieb eingeführt habe, waren Anzuchterde, Saatgut und Urgesteinsmehl“, berichtet er. Nur in der Anfangszeit nutzte er zusätzlich kleinere Mengen Kompostmaterial, Pferdemist und Laub. Seine Erfahrung zeigt, wie viel ein Garten aus eigenen Ressourcen gewinnen kann. Allerdings entzieht jede Ernte dem Boden Nährstoffe. Deshalb braucht jeder Standort eine passende Nährstoffversorgung.

Wie Pflanzenwachstum, Bodenleben und Stoffkreisläufe zusammenwirken, erklärt Gerd in unserem Beitrag „Fruchtbarer Boden für Jahrtausende“. Auch Zwischenfrüchte und Winterbegrünung helfen dabei, den Boden zu schützen und Nährstoffe im Gartenkreislauf zu halten.

Gärtnern ohne Pappe ist eine bewusste Entscheidung!

Pappe kann unerwünschte Pflanzen unterdrücken und die Beetvorbereitung erleichtern. Doch Recyclingkartons können Stoffe enthalten, die im Gartenboden unerwünscht sind. Wie sich diese beim Mulchen langfristig verhalten, ist noch nicht ausreichend erforscht.

Wir setzen deshalb lieber auf geeignete Pflanzenreste aus dem eigenen Garten und eine schonende Bodenbearbeitung. Das spart Verpackungsmaterial und unterstützt den Gartenkreislauf. Denn nicht alles, was sich biologisch abbauen lässt, gehört automatisch in den Gartenboden.

Häufige Fragen zu Pappe im Garten

Nein, nicht zwangsläufig. Auch unbedruckte Kartons können Rückstände aus früheren Recyclingzyklen enthalten. Quellen: Umweltbundesamt: Altpapier und BfR: Mineralölbestandteile in Lebensmitteln.

Nein. Forschende haben PFAS in bestimmten Recyclingpapieren und Kartons nachgewiesen. Das bedeutet nicht, dass jeder Karton diese Stoffe enthält. Studie: Langberg et al. (2023): Recycling of paper, cardboard and its PFAS in Norway

Eine generelle Bodenvergiftung durch gewöhnlichen Pappmulch ist nicht nachgewiesen. Untersuchungen zu bestimmten Metallen zeigen geringe Risiken. Zu PFAS und langfristigen Auswirkungen bestehen dagegen noch Wissenslücken. Forschungsbericht: University of Minnesota: Shredded Cardboard as a Mulch and Compost Resource.

Ja. Eine Mulchdecke aus geeigneten Gartenmaterialien kann den vorhandenen Bewuchs schwächen. Je nach Pflanzenbestand braucht das Zeit und zusätzliche Pflege. Alternativ lässt sich der Boden mit Herzhacke und Krail flach bearbeiten.

PartizipNatur – Gemeinsam Zukunft gestalten. Naturnah!

Mit unserem Projekt PartizipNatur wollen wir zeigen, wie Gemeinden und ihre Bürger*innen aktiv Verantwortung für ihre Umwelt übernehmen können.

Gemeinsam mit der Stadt Vetschau und den 10 Ortsteilen entwickeln wir lokale Lösungen für öffentliche Grünflächen, um die ökologische Nachhaltigkeit zu fördern. Durch die aktive Einbindung der Menschen vor Ort stärken wir nicht nur den Zusammenhalt in der Gemeinde, sondern schaffen auch konkrete Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität – zum Beispiel mit bienenfreundlichen Staudenbeeten auf Dorfplätzen oder naturnah gestalteten Spielplätze mit Naschecken.