Apfelfest in Missen: Engagement und Gemeinschaft im Mittelpunkt

Ein Dorf feiert den Apfel und wächst dabei noch enger zusammen. Kinder, Eltern, Vereine und Gäste aus nah und fern kamen zusammen, pflanzten, probierten und feierten 70 Jahre Lindengrundschule. Am Ende bleibt die Erkenntnis: Gemeinsam lassen sich Natur und Dorfleben nachhaltig gestalten.

Ein Fest für Natur und Miteinander

Das Apfelfest in Missen brachte am 20. September 2025 Menschen aus Vetschau, der Lausitz und sogar aus Berlin zusammen. Kinder, Eltern, Nachbarn und Gäste griffen gemeinsam zur Schaufel und pflanzten neue Gehölze. Zwölf Obst- und Wildgehölze bereichern nun die Streuobstwiese, darunter eine Salweide, die Vetschaus Stadtverordnetenvorsteher Ulrich Lagemann zusammen mit Schulleiterin Petra Pietrus setzte. Auch Bürgermeister Bengt Kanzler und Landtagsabgeordneter Wolfgang Roick packten am Nachmittag mit an.

Gerd Carlsson, Bildungsreferent und Gärtner bei der SPREEAKADEMIE, ist mit dem Ergebnis zufrieden: „Bei den Missener sind die Gehölze in guten Händen. Das hat die Entwicklung der Streuobstwiese in den letzten Jahren gezeigt.“

Die Pflanzaktion war der Auftakt für einen Tag voller Begegnungen und Ideen. Während die Kinder an einem Wünschebaum ihre Hoffnungen für die Natur befestigten, erinnerten sich Erwachsene an ihre Kindheit: ans gemeinsame Äpfel sammeln, das Trocknen der Früchte auf dem Ofen oder das feine Stapeln in Stiegen.

Vielfalt erleben und schmecken

Viele Stände machten die Vielfalt des Apfels erlebbar. Am Stand des Pomologen Mathias Bartsch ließen Besucher ihre mitgebrachten Äpfel bestimmen – oft reichte ein prüfender Blick, manchmal ein Schnitt ins Innere und eine Kostprobe. Sorten wie „Kaiser Wilhelm“ tauchten auf, die man in keinem Supermarkt findet.

Vika Mokretsova vom Verein „Äpfel & Konsorten“ begeisterte die Gäste mit einer Verkostung alter Apfelsorten. Ihr Lob galt nicht nur dem Geschmack, sondern auch den Menschen: „Das Publikum glänzte mit Fachwissen und jahrzehntelanger Erfahrung.“

Die Lindengrundschule feierte ihr 70-jähriges Bestehen mit einer großen Ausstellung, Apfelbildern und einem Info-Baum. Kinder und Eltern boten Kuchen, Kaffee und viele hausgemachte Leckereien an. Ein Höhepunkt war die Vorstellung der Schulchronik von Gerda Koppe, die die Geschichte der Schule bis ins Jahr 1691 nachzeichnet.

Auch der NABU war dabei, ebenso regionale Produzenten wie die Alte Ziegelei Gahlen mit Bratäpfeln und der Ziegenhof Ogrosen mit Kaaskrapfen und Apfelmus.

Gespräch über Engagement und Strukturwandel

Am Nachmittag begrüßten Bürgermeister Bengt Kanzler und Wolfgang Roick die Gäste. Beide lobten das Engagement der Vetschauer, die das Fest ermöglicht haben. Danach lud Sebastian Zoepp, Geschäftsführer der Spreeakademie, zu einem Podiumsgespräch mit drei ehrenamtlich Engagierten: Janet Richter, Ortsvorsteherin von Missen, Kathrin Zwiebler von der AG Fallobst sowie Tony Mudrick, Ortsvorsteher aus Ogrosen.

Kathrin Zwiebler erklärte: „Wir sind die Macher und wollen in unserem Dorf etwas für die Gemeinschaft tun. Da sind wir froh, wenn die Spreeakademie uns viel von der Bürokratie abnimmt.“

Auch Janet Richter und Tony Mudrick betonten, wie wichtig die Arbeit der Spreeakademie ist. Sie bringe Menschen zusammen und stärke so das Miteinander in den Dörfern.

Alle drei dankten Wolfgang Roick und dem Ausschuss für Strukturentwicklung für die Unterstützung von PartizipNatur. Denn das Land Brandenburg fördert das Projekt mit mehr als 300.000 Euro.

Wolfgang Roick sagte: „Inzwischen haben wir in der Lausitz durch die Strukturgelder viele Arbeitsplätze schaffen können. Jetzt müssen wir mehr auf die Förderung der weichen Faktoren achten. Dazu gehört auch, dass wir das ehrenamtliche Engagement der Menschen vor Ort stärken und uns für zukunftsfähige Dörfer und Städte einsetzen. Als Partner von Vetschau leistet die Spreeakademie dazu einen wichtigen Beitrag.“

Sebastian Zoepp ergänzte: „Wir verstehen uns als Entwicklungspartner von Vetschau und anderen kleinen und mittleren Kommunen der Lausitz. Hier fehlen in den Verwaltungen und in der Zivilgesellschaft oft die Ressourcen und das Fachwissen, um konkrete Projekte anzugehen. Hier können wir helfen. Daher werden wir in den nächsten Monaten unsere Kompetenzen verstärkt auch anderen Kommunen anbieten. Wer Interesse hat, kann sich gern jederzeit bei uns melden.“

Ein Fest, das verbindet

Das Apfelfest zeigte eindrucksvoll, wie Engagement und Gemeinschaft wirken. Die AG Fallobst als Gastgeberin, die Schule mit vielen Beiträgen, Vereine, Produzenten und Gäste aus nah und fern machten den Tag zu einem besonderen Erlebnis. Der Apfel war dabei mehr als nur Obst – er wurde zum Symbol für Vielfalt, Tradition und die Kraft, gemeinsam Zukunft zu gestalten.

PartizipNatur – Gemeinsam Zukunft gestalten. Naturnah!

Mit unserem Projekt PartizipNatur wollen wir zeigen, wie Gemeinden und ihre Bürger*innen aktiv Verantwortung für ihre Umwelt übernehmen können.

Gemeinsam mit der Stadt Vetschau und den 10 Ortsteilen entwickeln wir lokale Lösungen für öffentliche Grünflächen, um die ökologische Nachhaltigkeit zu fördern. Durch die aktive Einbindung der Menschen vor Ort stärken wir nicht nur den Zusammenhalt in der Gemeinde, sondern schaffen auch konkrete Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität – zum Beispiel mit bienenfreundlichen Staudenbeeten auf Dorfplätzen oder naturnah gestalteten Spielplätze mit Naschecken.