Was ist Community Organizing im ländlichen Raum?

Community Organizing (CO) stärkt Menschen in Städten, Dörfern und Gemeinden und verschafft ihnen Gehör in der Politik. Gerade auf dem Land erleben Menschen oft, dass andere über sie entscheiden, ohne sie zu fragen. Community Organizing verändert diese Machtverhältnisse. 

Ein Gastbeitrag von Sami Atris (Lead Organizer bei Community Organizing Deutschland).

Macht durch Zusammenschluss - wie das auf dem Land funktioniert

Community Organizer und Organizerinnen gründen Bürgerplattformen. Dort arbeiten Vereine, Kirchengemeinden, Feuerwehren, Dorfgemeinschaften und anderen Gruppen zusammen. Statt einzeln für bessere Busverbindungen, den Erhalt der örtlichen Schule oder gegen die Schließung der Arztpraxis zu kämpfen, schließen sich die Menschen zusammen und handeln gemeinsam.

Das Prinzip ist einfach: Eine Bürgerinitiative zählt 20 Mitglieder. Die kann die Politik leicht ignorieren. Wenn sich jedoch 15 verschiedene Gruppen aus der Region zusammenschließen, vertreten sie plötzlich 500 Menschen am Tisch. 500 Stimmen hört jeder Bürgermeister, jeder Landrat und jeder Abgeordneter.

Warum gerade der ländliche Raum davon profitiert

Auf dem Land kennen sich die Menschen. Dieser Vorteil fehlt in der Stadt. Die Strukturen sind da: Vereine, Kirchen, Feuerwehren, Landwirte, Gewerbetreibende bieten ein starkes Netzwerk. Diese gewachsenen Beziehungen bilden das Fundament starker Bürgerplattformen.

Die Probleme sind real und konkret:

  • Der letzte Laden im Dorf macht zu
  • Junge Leute ziehen weg, weil es keine Perspektiven gibt
  • Die Busverbindung wird gestrichen
  • Die Hausarztpraxis schließt
  • Der Breitbandausbau kommt nicht voran
  • Solar- oder Windkraftanlagen werden ohne Bürgerbeteiligung geplant

Community Organizing gibt euch die Werkzeuge, um Probleme nicht nur zu beklagen, sondern sie anzupacken. Ihr lernt, Macht aufzubauen, Politiker zum Zuhören zu bewegen und wie man konkrete Veränderungen durchsetzt.

Selbstbestimmt und unabhängig bleiben

Eine Bürgerplattform bleibt unabhängig von Parteien und verpflichtet sich allein den Menschen vor Ort. Ihr entscheidet selbst, wofür ihr kämpft. Egal ob der Bürgermeister von der CDU, SPD oder den Grünen kommt: Er verhandelt mit euch, nicht ihr mit ihm.

Über den Autor:

Sami Atris ist Lead Organizer der Berliner Bürgerplattformen bei Community Organizing Deutschland und verfügt über langjährige Erfahrung in der Begleitung von Beteiligungsprozessen. 

In seiner Arbeit bringt er Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen zusammen und unterstützt sie dabei, ihre Interessen sichtbar zu machen und gemeinsame Anliegen durchzusetzen. Mit seiner praxisnahen Art zeigt er, wie aus Gesprächen und Beziehungen handfeste Veränderungen im Alltag entstehen.

Gesprächsbereit #5 „Organisieren statt abwarten“ der Bürgerregion Lausitz: Beim Themenabend am 29. September 2025 in Raddusch geht es um Community Organizing als Methode, mit der Bürger*innen Veränderungen vor Ort selbst anstoßen können.

Der ländliche Raum hat Stärken, die genutzt werden müssen

Auf dem Land leben die Menschen noch echten Gemeinsinn. Die Menschen wollen sich engagieren und benötigen die richtigen Methoden. Community Organizing vermittelt diese Methoden: Wie baut man Macht auf? Wie führt man Verhandlungen? Wie bindet man Politiker an ihre Versprechen?

Der ländliche Raum gestaltet seine Zukunft selbst, statt nur den Städten zu folgen. Mit Community Organizing bestimmt ihr selbst über eure Zukunft:

Workshop „Beziehungsstiftende Dorf- und Stadtteilentwicklung“

Im Workshop am 11. & 12. Oktober 2025 in Vetschau zeigt Sami Atris praxisnah, wie Community Organizing Beteiligung stärkt und aus Ideen gemeinsame Aktionen entstehen.

  • Termin: 11. & 12. Oktober 2025, jeweils 10–16 Uhr

    Die Veranstaltung geht bis 16 Uhr, aber im Anschluss können individuelle Beratungen stattfinden.

  • Ort: Vetschau

  • Weitere Informationen und Anmeldung

PartizipNatur – Gemeinsam Zukunft gestalten. Naturnah!

Mit unserem Projekt PartizipNatur wollen wir zeigen, wie Gemeinden und ihre Bürger*innen aktiv Verantwortung für ihre Umwelt übernehmen können.

Gemeinsam mit der Stadt Vetschau und den 10 Ortsteilen entwickeln wir lokale Lösungen für öffentliche Grünflächen, um die ökologische Nachhaltigkeit zu fördern. Durch die aktive Einbindung der Menschen vor Ort stärken wir nicht nur den Zusammenhalt in der Gemeinde, sondern schaffen auch konkrete Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität – zum Beispiel mit bienenfreundlichen Staudenbeeten auf Dorfplätzen oder naturnah gestalteten Spielplätze mit Naschecken.