Jeder Meter zählt

Jeder Meter zählt!

Birgit Schattling ist Expertin, wenn es um das Gärtnern auf dem Balkon geht. Die „Natur im Garten“-Botschafterin zeigt in ihren YouTube-Videos sowie auf Instagram und Facebook, tausenden Fans wie es geht. Darüber hinaus organisiert sie kostenfreie Online Bio-Balkon-Kongresse. Nun verrät sie auch in Vetschau, wie auch kleine Flächen mit durchdachten Pflanzkonzepten, vertikalem Anbau und bienenfreundlichen Pflanzen optimal genutzt werden können.

Die Veranstaltung „Grüner Balkonzauber“ findet am 29. März 2025, 14–17 Uhr, im Vetschauer Bürgerhaus statt. Anmeldung: anmeldung@spreeakademie.de

© Ina Volmer, GartenFlora, dbv-network-GmbH

Wie kamen Sie ursprünglich dazu, sich mit Balkongärtnern zu beschäftigen? Wäre ein kleiner Garten nicht praktischer?

Ich bin südlich von Berlin in einem Haus mit großem Garten aufgewachsen und hatte bereits als junges Mädchen ein eigenes Beet, um das ich mich mit viel Liebe kümmerte. Dort sammelte ich erste Erfahrungen im Gärtnern. Viele Menschen glauben, ein Garten sei praktischer und man könne auf einem Balkon gar nicht richtig gärtnern – doch das stimmt nicht.

Was ich am Balkongärtnern besonders schätze: Ich habe keinen weiten Weg zu meinem Garten. Vom Wohnzimmer und der Küche aus sehe ich direkt auf meine Balkone und bekomme genau mit, welche Tiere gerade zu Besuch sind. Ich kann schnell hinausgehen, um einen Schmetterling zu beobachten, frische Teekräuter zu pflücken oder grüne Blätter und eine Tomate für meinen Salat zu ernten.

Außerdem erlebe ich vieles auf Augenhöhe und bin den Pflanzen und Tieren oft näher als in einem Garten. Auf einem Balkon lässt sich mit geschicktem Arrangieren von großen Pflanzgefäßen, Vertikalbeeten, Wintergemüse und einer klugen Blühfolge von Frühling bis zum Frost eine beeindruckende Vielfalt an Pflanzen kultivieren. Wie das genau funktioniert, werde ich in meinem Vortrag in Vetschau zeigen.

Ihre Balkone und Fensterbretter sind zu einer Oase der Artenvielfalt geworden. Welche überraschenden Tier- und Pflanzenarten haben Sie im Laufe der Jahre auf Ihrem Stadtbalkon beobachten können?

Meine liebsten Besucher sind die Eichhörnchen, die täglich von einer Kastanie auf meinen Balkon springen. Fünfmal haben hier bereits Jungtiere aufwachsen dürfen. Es ist ein magischer Moment, durch die Fensterscheibe zu beobachten, wie sich die kleinen Eichhörnchen in ihrem weichen „Kobel-Bettchen“ einkuscheln und sich im Schlaf lebhaft strecken und recken.

Gerade schläft ein Eichhörnchen auf dem Fensterbrett meines Sohnes – wind- und regengeschützt zwischen der Fensterbrüstung und dem Balkonkasten. Wir merken genau, wann es aufsteht und von seinen Ausflügen zurückkehrt, denn Eichhörnchen sind auch im Winter aktiv.

Auch meine gefiederten Gäste sind mir sehr ans Herz gewachsen. Da ich das ganze Jahr über Vögel und Eichhörnchen füttere – unter anderem mit geschälten Sonnenblumenkernen, um den Schmutz zu minimieren – haben mich bereits 24 Vogelarten besucht. Zu ihnen gehören Zaunkönig, Rotkehlchen, Baumläufer und sogar ein Turmfalke, der auf dem Fensterbrett saß. Ein Sperber jagt regelmäßig auf meinem Balkon.

Diese Vielzahl an Tieren wird durch meine naturnahe Begrünung angelockt. Ich setze vor allem auf mehrjährige Pflanzen und Gehölze, da sie pflegeleichter sind als die klassische Wechselbepflanzung mit bekannten Balkonblumen. In meinem Vortrag werde ich Ihnen die Pflanzen und ihre süßen tierischen Besucher vorstellen.

Was ist Ihrer Meinung nach der wichtigste Tipp für Anfänger, die ihren Balkon in eine grüne Oase verwandeln möchten?

Mein wichtigster Tipp: Verwenden Sie so große Pflanzgefäße wie möglich. In großen Kübeln wachsen Pflanzen besser, weil sie mehr Raum für ihre Wurzeln haben und das Substrat nicht so schnell austrocknet. Das bedeutet weniger Gießaufwand und gesündere Pflanzen.

Fangen Sie klein an und übernehmen Sie sich nicht. Wenn es Ihnen Spaß macht, werden es ganz schnell mehr Töpfe.

Sie setzen sich für mehr Grün in den Städten ein. Welche Vision haben Sie für die Zukunft der urbanen Begrünung, und wie können Stadtplaner und Politik dazu beitragen?

Wenn ich durch mein Berlin oder andere Städte gehe, wundere ich mich, wie viele Balkone, Dachterrassen und Fensterbänke ungenutzt bleiben – oft dienen sie nur als Abstellfläche für Bierkästen, Wäscheständer oder Satellitenschüsseln.

Ich stelle mir grüne, blühende, essbare Städte vor: mehr Gehölze in Kübeln, die die Temperatur durch Verdunstung kühlen, kombiniert mit einer schönen Unterpflanzung. Stadtplaner und Politiker sollten sich bewusst machen, dass all diese Flächen gemeinsam ein riesiges Potenzial bieten. Begrünte Balkone und Fensterbretter können als Trittsteinbiotope eine wichtige Rolle für Insekten und Vögel spielen. Gleichzeitig sind sie Wohlfühloasen für uns Menschen und bieten Platz für frisches Pflückgemüse und Kräuter.

Studien belegen, dass der Blick ins Grüne den Stresspegel senkt. Wenn Balkone und Dachterrassen bereits von Bauträgern mit großen Pflanzgefäßen oder Vertikalbeeten ausgestattet würden, wäre die Hemmschwelle für die Bewohner viel geringer, ihre Balkone zu begrünen.

Welche Rolle spielen Bürgerinnen und Bürger dabei?

Jeder kann seinen Balkon individuell gestalten – nach den eigenen Vorlieben und Bedürfnissen. Ob Gemüse, Salate oder Kräuter: Man kann genau das anbauen, was man besonders gerne isst, und oft Dinge ernten, die es nicht einmal im Bioladen gibt.

Frisch geerntetes Gemüse schmeckt unvergleichlich – ohne Transportverluste, direkt vom Balkonkasten in den Mund. Das bringt nicht nur Freude, sondern auch innere Ruhe in diesen hektischen Zeiten.

Auf meiner Website www.bio-balkon.de sowie in meinen beiden Büchern teile ich meine Erfahrungen. Auf allen Social-Media-Kanälen zeige ich mit anschaulichem Bildmaterial, was mit Balkongärtnern alles möglich ist.

Besonders ans Herz legen möchte ich Ihnen den von mir organisierten Online Bio-Balkon-Kongress „Jeder Meter zählt! Ökologisches Gärtnern auf kleinem Raum“, der am 20. März startet. Dort erhalten Sie kostenfrei wertvolle Einblicke von 30 Experten und Balkonpraktikern – Sie werden staunen, wie viel sich auf einem kleinen Balkon umsetzen lässt!

PartizipNatur – Gemeinsam Zukunft gestalten. Naturnah!

Mit unserem Projekt PartizipNatur wollen wir zeigen, wie Gemeinden und ihre Bürger*innen aktiv Verantwortung für ihre Umwelt übernehmen können.

Gemeinsam mit der Stadt Vetschau und den 10 Ortsteilen entwickeln wir lokale Lösungen für öffentliche Grünflächen, um die ökologische Nachhaltigkeit zu fördern. Durch die aktive Einbindung der Menschen vor Ort stärken wir nicht nur den Zusammenhalt in der Gemeinde, sondern schaffen auch konkrete Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität – zum Beispiel mit bienenfreundlichen Staudenbeeten auf Dorfplätzen oder naturnah gestalteten Spielplätze mit Naschecken.