Wilde Vielfalt bei großer Hitze: Unsere Lernreise nach Jänschwalde und Groß Luja

Wildpflanzen in der Sommersonne, ein kurzer Abstecher in die Kühlkammer und später ein Gänsemarsch durch einen Garten voller Leben. Unsere Lernreise „Wilde Vielfalt für den Garten“ hatte viele besondere Momente.

Christina Grätz empfing die Teilnehmenden in Jänschwalde mit der Energie, die viele schon aus ihrem Vortrag im PZNU Cottbus kennen: fachlich stark, klar in der Haltung und mit spürbarer Freude an heimischen Wildpflanzen. Bei der Führung über die Anzuchtflächen von Nagola Re erklärte sie anschaulich, wie regionales Saatgut gewonnen, gepflegt und für neue Lebensräume vorbereitet wird. Dabei wurde schnell deutlich, wie viel Handarbeit in dieser Arbeit steckt.

Blick hinter die Kulissen bei NagolaRe

Neben den Anzuchtflächen erhielten die Gäste auch Einblicke in die Sortieranlagen. Dort zeigt sich eine Seite der Wildpflanzenarbeit, die man von außen kaum sieht. Das Saatgut muss gereinigt, sortiert und sorgfältig vorbereitet werden, bevor es auf Flächen wieder Vielfalt und durch die regionale Auswahl auch ein Stück Heimat schaffen kann. Bei der großen Hitze entwickelte sich die Kühlkammer fast zum heimlichen Lieblingsort der Gruppe. Als kleines Geschenk gab es für die Teilnehmenden Sandthymian. So konnte jede und jeder ein Stück wilde Vielfalt mit nach Hause nehmen.

Mittagspause mit Austausch

Nach zwei intensiven Stunden bei NagolaRe führte die Fahrt weiter nach Peitz. Beim gemeinsamen Mittagessen blieb Zeit für Gespräche, Nachfragen und den Austausch untereinander. Solche Pausen gehören für die SPREEAKADEMIE fest zu einer Lernreise dazu. Denn Wissen entsteht nicht nur bei Führungen. Es entsteht auch am Tisch, wenn jemand von der eigenen Wiese erzählt, von einem schwierigen Gartenboden oder von der Frage, welche Pflanze nun wirklich bleiben darf und welche nicht.

Im Schmetterlingsgarten Groß Luja

Am Nachmittag führte die Reise weiter nach Groß Luja bei Spremberg. Schon die Anfahrt brachte Spannung mit sich. Ein Gewitter zog auf und sorgte kurz für Unsicherheit. Doch der Himmel beruhigte sich rechtzeitig, und der Besuch im Schmetterlingsgarten konnte stattfinden. Zum Glück.

Claudia Schmidt öffnete für die Gruppe ihren privaten Garten. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Der Garten ist kein Schaugelände mit breiten Wegen und perfekten Blickachsen. Er ist ein Lebensraum. Deshalb bewegten sich die Teilnehmenden in kleinen Gruppen und im Gänsemarsch über die Pfade. Wer hier unterwegs ist, achtet auf jeden Schritt. Unter den Füßen kann mehr Leben sein, als man auf den ersten Blick vermutet.

Der Garten zeigte viele praktische Beispiele für naturnahes Gärtnern: Futterpflanzen für Raupen, blütenreiche Bereiche, wilde Ecken, eine Benjeshecke, ein Sandarium und Totholzhaufen. Gerade diese Elemente machen für Claudia Schmidt den Unterschied. Ein Sandarium bietet bodennistenden Wildbienen offene Stellen. Totholz schafft Rückzugsräume. Eine Benjeshecke bringt Struktur in den Garten und wird mit der Zeit selbst zum Lebensraum. Nicht alles wirkt aufgeräumt. Nicht alles blüht spektakulär. Aber genau darin liegt der Wert solcher Orte.

Claudia Schmidt führte mit großer Artenkenntnis durch ihren Garten und erklärte anschaulich, was Schmetterlinge, Wildbienen und andere Insekten brauchen. Ihr Blick auf den Garten ist präzise und zugleich sehr praktisch. Deshalb freuen wir uns besonders, dass sie beim nächsten Permakulturtag der SPREEAKADEMIE einen Vortrag halten wird. Dort kann sie viele der Eindrücke vertiefen, die bei der Lernreise schon angeklungen sind.

Am Ende blieb ein klarer Eindruck. Wer den Wert heimischer Wildpflanzen kennt und Tiere an ihnen beobachtet, schaut anders auf den eigenen Garten. Eine wilde Ecke, ein Stück offene Erde, Totholz oder die passende Raupenpflanze können viel bewirken. Man muss nicht alles neu machen. Aber man kann anfangen.

PartizipNatur – Gemeinsam Zukunft gestalten. Naturnah!

Mit unserem Projekt PartizipNatur wollen wir zeigen, wie Gemeinden und ihre Bürger*innen aktiv Verantwortung für ihre Umwelt übernehmen können.

Gemeinsam mit der Stadt Vetschau und den 10 Ortsteilen entwickeln wir lokale Lösungen für öffentliche Grünflächen, um die ökologische Nachhaltigkeit zu fördern. Durch die aktive Einbindung der Menschen vor Ort stärken wir nicht nur den Zusammenhalt in der Gemeinde, sondern schaffen auch konkrete Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität – zum Beispiel mit bienenfreundlichen Staudenbeeten auf Dorfplätzen oder naturnah gestalteten Spielplätze mit Naschecken.