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"Nachhaltige Kommunen in Brandenburg: Wie weiter?"

Mit Bildung!

Heute fand in der Heimvolkshochschule am Seddiner See eine spannende Tagung zu Perspektiven der nachhaltigen Kommunalentwicklung in Brandenburg statt. Der Verein Brandenburg 21 e.V. und das IASS hatten eingeladen und die Tagung mit einer Reihe von Impulsvorträgen beginnen lassen. Den Anfang machte Jan Korte vom Rat für nachhaltige Entwicklung, einem Expert*innengremium, dass die Bundesregierung zu verschiedenen Aspekten der Nachhaltigkeit berät. Besonders hängen blieb mir seine Aussage, dass Nachhaltigkeit in der Kommune letztlich auch Krisenprävention ist.

Besonders beeindruckt hat mich die Präsentation von Gudio Wallraven aus Saerbeck. Dieser kleine Ort in Nordrheinwestfalen mit knapp 7.000 Einwohner*innen hat sich bereits 2009 auf den Weg in Richtung erneuerbare Energien gemacht. Damals wurden ein Fahrplan mit über 150 Einzelmaßnahmen erarbeitet, von denen inzwischen ein beachtlicher Teil umgesetzt wurde. Inzwischen produziert diese „Klimakommune“ fast viermal mehr grünen Strom, als sie selbst verbraucht. Schlüsselelement war hier der Aufbau eines Bioenergieparks mit einer Gesamtinvestition von rund 70 Millionen Euro. Das Besondere daran ist, dass davon gut 50 Millionen Euro aus verschiedenen Quellen innerhalb der Kommune aufgebracht werden konnten und sich jede/r Bürger*in auch mit einer kleinen Einlage an der Investition beteiligen konnte. Inzwischen liegt die jährliche Rendite zwischen 3,5 und 6,5 Prozent, was die Energiewende in Saerbeck zu einem sehr lukrativen Geschäft macht!

Im weiteren Verlauf der Tagung betonten nicht nur Herr Wallraven immer wieder die Bedeutung von Bildung als Schlüsselinstrument einer nachhaltigen Kommunalentwicklung. Nur wenn in einer Kommune alle an Entwicklungsprozessen beteiligte Akteur*innen ausreichend informiert sind, können sie auch langfristig tragfähige Entscheidungen treffen, so die Aussage vieler Redner*innen. Insbesondere im Workshop „Nachhaltige Kommunen gestalten durch Bildung“ wurde intensiv darüber diskutiert, wie Nachhaltigkeit besser in Kommunen verankert werden kann und wie Kommunen besser mit entsprechenden Bildungsformaten erreicht werden können. Auf Grundlage unserer Erfahrungen in der SPREEAKADEMIE konnte ich berichten, dass es gerade im ländlichen Raum Sinn macht, Aspekte einer nachhaltigen Kommunalentwicklung an möglichst konkreten Praxisvorhaben festzumachen. Zudem braucht es viel Zeit und damit auch Ressourcen, um ein gutes Arbeitsverhältnis mit Kommunen und ihren Mitarbeitenden aufzubauen.

Im Ergebnis der Tagung waren sich nahezu alle Teilnehmenden einig, dass Nachhaltigkeit künftig in der Kommunalentwicklung einen anderen Stellenwert bekommen muss. Bisher ist sie keine Pflichtaufgabe und spielt daher kaum eine Rolle. Durch entsprechende Bildungsangebote kann jedoch verdeutlicht werden, dass Nachhaltigkeit z.B. im Sinne von Klimaschutz elementarer Teil der Daseinsvorsorge innerhalb der Kommunen ist und somit auch gesetzlich verankert werden müsste. Diese Botschaft wurde den Veranstalter*innen der Tagung für die Fortschreibung der Brandenburger Landesnachhaltigkeitsstrategie mit auf den Weg gegeben – ich bin gespannt, wie es tatsächlich weitergeht!